Historie des Ludwig-Jahn-Stadion, Herford

Das heutige Ludwig-Jahn-Stadion wurde 1955 fertig gestellt. Viel früher allerdings stand bereits ein erstes Stadion mit gleichem Namen einige Hundert Meter weiter. And dieser alten Stelle befindet sich heute die Liegewiese des ehemaligen Otto-Weddingen-Bades (heute:H2O).

Dieses erste Stadion war 1936 fertig gestellt worden und hatte ein Fassungsvermögen von 6.000 Stehplätzen. Das Stadion war mit Spielfeld, Laufbahn und Stehstufenrängen relativ einfach ausgestattet. Bei Kriegsende des 2. Weltkrieges wurde das Stadion durch die amerikanischen Alliierten als Gefangenenlager benutzt. Anfang der 1950er Jahre wurde dieses erste Ludwig-Jahn-Stadion abgerissen. Die durch die Nutzung als Gefangenenlager entstandenen Schäden machte eine weitere Sanierung nicht lohnend.

Im Winter 1952/53 begann man am heutigen Standort mit dem Stadionneubau, der 1955 eingeweiht wurde. Dieser Neubau fasste 15.000 unüberdachte Stehplätze und 1.400 überdachte Sitzplätze auf einer kleinen Tribüne. Zum Stadionareal gehörten, neben dem Hauptspielfeld mit umgebener Laufbahn, ein weiterer Nebenplatz, eine Faustballwiese und weitere Übungsflächen, die vor allem durch die Leichtathletik und den Schulsport genutzt wurden. Bis 1960 wurde das Ludwig-Jahn-Stadion ausgebaut. Mit dem heutigen Fassungsvermögen von 18.400 Zuschauern befindet sich das Ludwig-Jahn-Stadion in den Top 100 der größten Stadien in Deutschland.

Das ersten großen Spiele im Ludwig-Jahn-Stadion in Herford waren das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft der Amateure zwischen Hannover 96 und dem BV Osterfeld am 26.Juni 1960 (1:1 n. V.; 12.000 Zuschauer) und das Wiederholungsspiel am 29.Juni 1960 (3:0 für Hannover 96; 10.000 Zuschauer).

Auch weitere sportliche Großveranstaltungen wurden in den folgenden zwei Jahrzehnten in Herford ausgetragen. So ist der bis heute gültige Zuschauerrekord nicht dem König Fußball zu verdanken. Das rein-westfällische Endspiel im Feldhandball zwischen dem TV Wellinghofen und Grün-Weiß Dankersen (13:9) am 26.Oktober 1965 sahen offiziell 25.000 Zuschauer. Allerdings dürfte die tatsächlich realisierte Zuschauerzahl höher liegen, da auf Grund des Andrangs das große Stadiontor geöffnet werden musste und Hunderte bis Tausende weitere Zuschauer auf das Stadiongelände gelangten.

Auch mediale Berühmtheit erlangte das Stadion, als 1968 das Finale der berühmten Fernseh-Spielshow „Spiel ohne Grenzen“ im Jahn-Stadion stattfand. 17.000 Zuschauer wohnten diesem Spektakel bei.

In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durfte das ehrwürdige Jahn-Stadion das erste mal Bundesligaluft schnappen. Der aus Fusionen hervorgegangene SC Herford stieg 1975/76 in die 2. Bundesliga Nord auf, stieg 1977/78 wieder ab, schaffte aber den direkten Wiederaufstieg. 1980/81 reichte es nicht für die Qualifikation zur neuen eingleisigen 2. Fußball-Bundesliga.

Durch Versäumnisse bei den notwendigen Reparaturen in den 1980er Jahren wurde die bauliche Substanz des Stadions zusehends maroder. Dieser Umstand machte eine achtjährige Rundumsanierung des Stadions nötig. 1989 begann man mit den Planungen. Die Umsetzung umfasste vier Bauabschnitte und kostete 5 Mio. DM, die je zur Hälfte von Kreis und Stadt, sowie dem Land NRW getragen wurden. Die Neueröffnung erfolgte am 08.Juni 1998.

Seit 2006 ist das Ludwig-Jahn-Stadion nun Austragungsort der Heimspiele des Herforder SV Borussia Friedenstal. Seit der Saison 2008/09 spielt der Herforder SV in der ersten Frauenfußball-Bundesliga und bietet dem Ludwig-Jahn-Stadion wieder einen attraktiven und angemessenen Rahmen. Durch die Sicherheitsauflagen des Deutschen Fußball Bundes ist das Fassungsvermögen bei Bundesliga-Heimspielen leider auf lediglich 5.000 Zuschauer begrenzt.



Steckbrief:

Erbaut: 1955V
Fassungsvermögen: 18.400, davon 1.300 Sitzplätze (Schalensitze) und 100 Ehrenplätzen auf der Hauptribüne, sowie 15.000 Stehplätzen Besonderes: zu 2/3 überdachte Haupttribüne, jeweils 1.000 Stehplätze auf den „Seitentrbünen“, die die Haupttribüne einrahmen
Zuschauerrekord: ca. 25.000 am 26.10.1965 beim Feldhanball-Endspiel TV Wellinghofen – GW Dankersen (13:9)

Quelle: Skrentny, W (2001). Das große Buch der deutschen Fussball-Stadien, Werner Skrentny (Hrsg.), 2. Auflage, S. 186f. Göttingen: Die Werkstatt